Digitale Teilhabe als Voraussetzung für soziale Teilhabe

Mensch-Technik-Interaktion als Chance in Zeiten vom neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2)

Das neuartige Coronavirus fordert von jedem von uns eine „neue Normalität“. Soziale Distanzierung ist das Gebot der Stunde. Doch was geschieht mit den Personen, die alleine leben und ohne persönlichen Kontakt zu Familienangehörigen und Freunden auskommen müssen?

Warum ist die digitale Teilhabe hilfreich?

Da eine persönliche Teilnahme momentan oftmals nicht möglich ist, stellt die digitale Teilhabe, z.B. durch Videotelefonie oder Übertragung von lokalen Gottesdiensten auf dem Fernseher, eine mögliche Alternative dar. Dennoch werden diese Angebote das persönliche Gespräch selbstverständlich nicht ersetzen können und sind daher eine mögliche Hilfestellung bei der Bewältigung des demografischen Wandels in den Kommunen vom Landkreis Grafschaft Bentheim und Landkreis Emsland.

Handlungsfähige Kommunen sind von zentraler Bedeutung, um die Politik für ältere Personen zu gestalten. Deshalb ist die Ausrichtung auf die soziale Teilhabe und ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben wichtig, was durch Interaktion zwischen Mensch und Technik unterstützt werden kann. Durch ein integriertes Versorgungskonzept mit passgenauen Sach- und Dienstleistungen und durch vernetzte Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen können die Kommunen eine digitale Teilhabe schaffen, wodurch eine soziale Teilhabe ermöglicht wird. Ziel der Kommunen sollte eine inklusive digitale Gesellschaft sein, die die Informationsbeschaffung erleichtert, digitale Teilhabe ermöglicht und die Gemeinschaft vor Ort stärkt.

Wie unterstützt das Projekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ die digitale Teilhabe?

Um Vertrauen zur Technik aufzubauen, ist es auch für Kommunen von entscheidender Bedeutung, die Bürgerinnen und Bürger in die Ausgestaltung der technischen Lösungen mit einzubinden. Zu diesem Zweck soll in der Samtgemeinde Uelsen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern der virtuelle Dorfmarktplatz aus dem Projekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ erprobt und weiterentwickelt werden (dorfgemeinschaft20.de/vdm). Eine Beteiligung der Bevölkerung bei der Entwicklung neuer Technologien erhöht die Akzeptanz und schafft Vertrauen. Des Weiteren kann durch einen solchen Prozess eine generationsübergreifende Lösung gefunden werden. Ältere Menschen sind oftmals zögerlicher gegenüber ihnen noch unbekannten Technologien, während die junge Generation häufig eine hohe Technikaffinität aufweist. Das Zusammenbringen von Jung und Alt kann für die Kommunen von großem Interesse sein, um die Dorf- und Quartiersgemeinschaften zu stärken. Durch digitalisierte Anwendungen kann die Koordinierung, Kooperation und Vernetzung verbessert werden, wodurch die Sozialräume der Bürgerinnen und Bürger bedarfsgerecht gestaltet werden. Natürlich werden physische Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger bedeutend bleiben. Bei einem zusätzlichen digitalen Angebot wächst jedoch die zeitliche, räumliche und soziale Vielfalt und damit verbunden die flexible und differenzierte Ausgestaltung der kommunalen Selbstverwaltung.

Bei der Entwicklung neuer technologischer Ansätze steht der Mensch stets im Mittelpunkt, denn der Mensch als Nutzer von Technik muss den Sinn darin erkennen können. Ziel der Nutzung von Technik ist die Unterstützung bei der Bewältigung der täglichen Herausforderungen und die Sicherstellung der Teilhabe in der Gemeinschaft.

Was passiert schon vor Ort zur Ermöglichung der digitalen Teilhabe?

Nur durch den konsequenten flächendeckenden Ausbau der digitalen Infrastruktur können die Bürgerinnen und Bürger in den Kommunen in Zukunft neue technologische Ansätze schnell und störungsfrei über das Internet in ihrem Zuhause oder von anderen Orten aus nutzen. Hierbei haben der Landkreis Emsland und der Landkreis Grafschaft Bentheim vorbildliche Initiativen gestartet.

Der Landkreis Emsland hat bereits 112 Millionen Euro, davon 47 Millionen Euro aus kommunalen Mitteln vom Landkreis und den Kommunen, in den Breitbandausbau investiert. Aus dem Grund kann der Landkreis Emsland auf eine gute digitale Infrastruktur zurückgreifen.

Der Landkreis Grafschaft Bentheim hat im Herbst 2016 die Gesellschaft „Breitband Grafschaft Bentheim GmbH & Co. KG“ gegründet. Im Jahr 2017 hat die Gesellschaft die Firma „Netservices“ aus Flensburg damit beauftragt, die Versorgung der Gebiete in der Niedergrafschaft zu übernehmen, die über keine oder nur eine leistungsschwache Internetverbindung verfügen. Am 28. November 2017 startete das Unternehmen in die Vorvermarktung des neuen „Grafschafter Breitbandes“ (www.grafschafter-breitband.de). Ein im Jahr 2017 durchgeführtes Markterkundungsverfahren ergab zwar, dass in der Obergrafschaft und Nordhorn bereits 95 % der Haushalte über schnelle und leistungsstarke Internetleitungen verfügen. Allerdings haben rund 5 % der Haushalte – das sind insgesamt knapp 4.000 Haushalte – von den Ausbauvorhaben noch nicht profitiert. Aus diesem Grund bündeln der Landkreis Grafschaft Bentheim und die betroffenen Kommunen – die Städte Nordhorn und Bad Bentheim sowie die Samtgemeinde Schüttorf und die Gemeinde Isterberg – die Kräfte, die verbliebenen 5 % der Haushalte mit schnellem Internet zu versorgen. Neben Gewerbegebieten und Schulen werden auch Pflegeheime mit in den Blick genommen, um eine zuverlässige Internetverbindung für alle Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen. Das kalkulierte Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf ca. 1,2 Millionen Euro. Davon sind 80 % beim Land beantragt, während 10 % vom Landkreis Grafschaft Bentheim und 10 % von den Kommunen übernommen werden.


Warum ist die digitale Teilhabe auch für ältere Menschen wichtig?

Um der Vereinsamung der älteren Bevölkerung entgegenzuwirken, kann eine digitale Teilhabe eine große Abhilfe schaffen. Ein Beispiel ist die Nutzung von Videotelefonie am eigenen Frühstückstisch für Gespräche mit Kindern, anderen Familienangehörigen oder Freunden, während jene sich an einem anderen Ort aufhalten. Die Möglichkeit, sich beim Telefonieren gegenseitig zu sehen und Erlebnisse damit einfacher teilen zu können, kann vorübergehend und insbesondere in Krisenzeiten wie der Coronakrise für einige Momente ein wichtiger Baustein gegen Einsamkeit sein. Dies kann und soll selbstverständlich nie den persönlichen Kontakt vollständig ersetzen.

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